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Afrikacup: Komoren mischen die Vorrunde auf


Erstmals überhaupt sind die Komoren beim Afrikacup dabei. Bereits die Qualifikation wurde von den 850.000 Einwohnern auf den Inseln des Komorenarchipels im Indischen Ozean entsprechend gefeiert. Nach einem 0:1 zum Auftakt gegen Gabun sowie einer 0:2-Niederlage im zweiten Gruppenspiel gegen Marokko schien das Abenteuer Afrikacup für die Truppe des französischen Teamchefs Amir Abdou in der Vorrunde schon zu Ende zu sein.

Nach der Sensation gegen Ghana, das die Partie nach einer Roten Karte für Kapitän Andre Ayew ab der 25. Minute in Unterzahl bestreiten musste, darf der krasse Außenseiter nun plötzlich aber doch vom Achtelfinale träumen. Aktuell rangiert der Weltranglisten-132. in der Wertung der besten Gruppendritten auf dem vierten Rang und würde damit den Sprung unter die Top 16 gerade noch schaffen. Bis zum Abschluss der Vorrunde wartet auf Kapitän Nadjim Abdou und Co. nun eine Zitterpartie.

„Haben immer daran geglaubt“

Schon beim 3:2-Erfolg gegen den klaren Favoriten Ghana wurden die Komoraner auf eine Nervenprobe gestellt. El-Fardou Mohamed brachte den Außenseiter nach vier Minuten in Führung. Nach dem Platzverweis für Ghana-Stürmer Ayew, der gegen Torhüter Boina Ben zu ungestüm in den Zweikampf ging, erhöhte Ahmed Mogni (62.) auf 2:0. Richmond Yiadom (63.) und Verteidiger Alaxander Djiku (76.) trafen zwar noch zum Ausgleich. Mit seinem zweiten Treffer machte Mogni kurz vor Schluss (85.) aber die Sensation perfekt.

Amir Abdou (Trainer Komoronen)


APA/AFP/Daniel Beloumou Olomo

Seit Amir Abdou bei den Komoren als Teamchef das Sagen hat, ging es mit der Nationalmannschaft stetig nach oben

„Wir haben auch nach dem Ausgleich durch Ghana nicht nachgegeben. Wir haben immer daran geglaubt, dass wir einen historischen Sieg für unsere Nation erzielen können“, sagte Teamchef Amir Abdou nach der Partie. „Ich habe Offensivspieler eingewechselt, damit wir ein drittes Tor erzielen. Das hat sich ausgezahlt. Wir sind mit unserer Spielweise zufrieden. Wir hatten einen Plan und haben uns daran gehalten. Wir haben aus den Fehlern der vergangenen Spiele gelernt. Jetzt heißt es abwarten.“

Geduld zahlt sich für Nationalteam aus

Was man mit Geduld erreichen kann, beweist Amir Abdou, seit er aus der sechsten französischen Liga kommend vor vier Jahren das Teamchefamt übernahm. Damals rangierte der Verband, der dem Fußballweltverband FIFA erst 2005 beitrat, im FIFA-Ranking noch ganz hinten auf dem 198. Rang. Der 49-jährige Franzose verlieh dem Team eine Form und Stabilität. Auch dank finanzieller Unterstützung durch die FIFA und Investitionen in die Infrastruktur der Stadien und die Trainingszentren ging es danach kontinuierlich nach oben.

Im Land ist seitdem auch so eine Art Fußballeuphorie zu spüren, sobald sich das Nationalteam auf ein Spiel im 3.000 Zuschauer fassenden Stade International Said Mohamed Cheikh auf der Grande Comore, der größten der drei Hauptinseln, vorbereitet. Dabei sind die Spieler der Nationalmannschaft fast ausschließlich in Europa aktiv, aufgrund der historischen Wurzeln – bei einem Votum 1974 stimmten drei der vier Inseln für die Unabhängigkeit von Frankreich – viele als Kinder komorischer Eltern in Frankreich auch ebenda geboren.

„Perfektes Spiegelbild unseres Landes“

Ein Gemeinschaftsgefühl hat das Land auch bitter nötig. Seit der Unabhängigkeit 1975 erlebten die Einwohner eine wechselvolle Geschichte mit Sezessionsbestrebungen und bis heute insgesamt 19 Putschversuche. Eine Fußballparty wie vor knapp einem Jahr, als Tausende Menschen nach der erfolgreichen Qualifikation für den Afrikacup auf die Straßen strömten und gemeinsam feierten oder wie nach dem Sieg über Ghana, tut dem Inselstaat gut.

„Die Nationalmannschaft ist ein perfektes Spiegelbild unseres Landes. Sie beweist, dass die Kraft in der Einheit liegt. Sie setzt sich aus Spielern von allen vier Inseln zusammen. Alle Farben unserer Flagge sind in ihr vertreten. Das schweißt zusammen“, sagte Kapitän Nadjim Abdou in einem Interview auf FIFA.com. „Wenn das Nationalteam spielt, kommt das Leben auf dem Archipel zum Stillstand. Es gibt vielleicht vier Inseln, aber nur ein Nationalteam.“



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